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Einige prominente Beispiele unserer Restaurierungsarbeit

Die Edelmetalle haben aufgrund Ihres hohen pekuniären Wertes und aufgrund ihrer Langlebigkeit sowie ihrer ästhetischen Anmutung seit jeher Künstler und Kunsthandwerker aller Zeitalter inspiriert und zu Höchstleistungen angespornt. So konnten aus verschiedensten Kulturen und Epochen viele einzigartige Kunstwerke erhalten werden. Die sachgerechte Restaurierung und Pflege dieser Kunstschätze ist uns ein großes Anliegen.

 

Sehen Sie im Folgenden einige ausgewählte Beispiele von Objekten, die wir in den letzten Jahren restaurieren durften.

Limburger Staurothek

Die Limburger Staurothek, entstanden als kaiserliche Auftragsarbeit des byzantinischen Hofes, von 945 bis 959, zählt als eines der bedeutendsten Kunstwerke der byzantinischen Goldschmiedekunst.

 

Sie wurde in den Räumen des Limburger Dommuseums im Jahre 2011 und 2012 von unseren Spezialisten restauriert. Die Oberflächen der Staurothek waren in Summe durch braunfleckigen Belag und Anlauf stark verunreinigt und haben das optische Erscheinungsbild erheblich beeinträchtigt. Darüber hinaus hatten sich durch den Einsatz von falschen Reinigungsmitteln aus den Emails heraus Höfe um die Zellen gebildet. Der Deckel der Lade ließ sich aufgrund der Deformierung der Laufschiene nur noch zu ca. 40% hineinschieben.

 

Die behutsame Reinigung der Oberfläche durch Spezialseife und Enzyme hat die Schönheit der metallischen Oberflächen – unter Beibehaltung der Patina in den Vertiefungen – wieder zum Leben erweckt. Durch die sensible Rückformung der Laufschienen lässt sich der Deckel heute wieder zu 100% einschieben.

Augburger Buckelpokal

Der wunderschöne Augsburger Buckelpokal ist ein herausragendes Zeugnis der künstlerischen und handwerklichen Perfektion der Augsburger Meister des 17. Jahrhunderts.

 

Aufgrund der, durch die extreme Materialverformung, sehr dünnen Materialstärke, wies der Pokal vor der Restaurierung durch die Abnutzung über die Jahrhunderte diverse Durchbrüche an den Scheitelpunkten der Buckel auf. Diese konnten wir im Zuge der Restaurierung mit Hartlötung schließen und durch partielle Feuervergoldung das gealterte optische Erscheinungsbild erhalten.

Kasseler Kelch

Der mittelalterliche, vorreformatorische Kelch der Kasseler Brüderkirche, datiert aus dem 15. Jahrhundert, ist ein sehr hochwertiges Exemplar der Goldschmiedekunst dieser Epoche und stammt vermutlich aus einer Kasseler Werkstatt.

 

Er wurde im Zusammenhang mit einem Einbruchdiebstahl in der Sakristei entwendet und durch die Diebe erheblich beschädigt. Offensichtlich wurde versucht, den Kelch in die Einzelteile zu zerlegen und einzuschmelzen. Hierbei wurde die Cuppa am Schaft abgerissen und fast vollkommen plattgedrückt. Die Schaftteile und der Fuß waren stark deformiert und teilweise gerissen. Der Nodus war ringsum gestaucht und durchgebrochen.

 

Alle Teile konnten in ihre ursprüngliche Form zurückgeformt und alle entstandenen Risse und Fehlstellen mittels Hartlötung geschlossen werden. Die historische Feuervergoldung wurde in den Bereichen des Fußes des Schaftes und des Nodus erhalten und lediglich an den Lotstellen und der Cuppa ergänzt und farblich angepasst. Heute erstrahlt der Kelch wieder in seiner ehemaligen Schönheit und erfreut sich reger Benutzung durch die Kirchengemeinde.

Frankfurter Monstranz

Die vom bekannten Kölner Goldschmied Karl Borromäus Berthold gefertigte Monstranz ist eines der seltenen Beispiele der Goldschmiedekunst aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts im Stil des Art déco. Unter Verwendung von Schmuck aus Stiftungen hat Meister Berthold hier eines seiner Hauptwerke geschaffen. Die Monstranz ist komplett aus Silber gefertigt, das Lunula-Gefäß sitzt in einem massiven Kasten aus Elfenbein. Die Treib- und Ziselierarbeiten wie auch die Belötungen belegen das hohe Niveau der Handwerkskunst seines Schöpfers.

 

Die Monstranz zeigte vor der Restaurierung einige Deformierungen sowie lose Ornamentikteile. Darüber hinaus war die Vergoldung an Fuß und Schaft größtenteils abgerieben. Neben der Reinigung sämtlicher Oberflächen wurde eine Rückformung aller deformierten Teile durchgeführt. Außerdem wurden sämtliche losen Teile befestigt und Fuß und Schaft neu vergoldet und farblich an den Restbefund angepasst.

Augsburger Büste des Heiligen Aquilin

Die im Jahre 1715 vom berühmten Augsburger Meister Johann Zeckel gefertigte Büste des Märtyrers Aquilin ist eine lebensgroße getriebene Silberfigur, die zu den herausragenden Werken der Augsburger Goldschmiedekunst zählt.

 

Während des Angriffs auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Figur glücklicherweise nicht zerstört, sondern nur teilweise beschädigt. Ein Teil dieser Schäden wurde bereits im Zuge einer Restaurierung Ende der 1960er Jahre behoben. Jedoch zeigten sich 50 Jahre später, neben einem starken Anlauf der Oberflächen, noch Schäden, die aus 1945 datieren. Darüber hinaus sind die vergoldeten Oberflächen an Teilen des Gewandes und den Beschlagteilen des Buches stark berieben und zeigen einen Verlust der Vergoldung.

Der originale Holzsockel war verbrannt und wurde durch einen proportional viel zu großen Sockel ersetzt. Am Schulterblatt und im Bauchbereich der Figur zeigen sich Deformierungen, die vermutlich vom Sturz der Figur herrühren. Der Palmwedel in seiner linken Hand, der auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1917 zu sehen ist fehlte gänzlich. Die Haltung der beiden Hände und insbesondere der Anstellwinkel des Buches zum Körper waren nicht korrekt.

 

Im Zuge der neuerlichen Restaurierung wurden sämtliche Oberflächen gereinigt, die verlorene Feuervergoldung ersetzt und an den Befund der noch vorhandenen Vergoldung angepasst. Sämtliche Sturzschäden wurden rückgeformt und die historisch dokumentierte Stellung der beiden Hände und des Buches wiederhergestellt. In einer zweiten Maßnahme wurde ein neuer Holzsockel in den alten Proportionen angefertigt und die Beschläge darauf montiert. Der Palmzweig in der linken Hand wurde gemäß der historischen Abbildung ergänzt.

Vortragekreuz der Frankfurter Kirchengemeinde Mutter zum Guten Rat

Das mittelalterliche Vortragekreuz, vermutlich aus südeuropäischer Provinienz, wurde in den 1920er Jahren von dem bekannten Frankfurter Kaufmann Weinberg wegen der Verbundenheit seiner Frau zu ihrer Kirchengemeinde Mutter zum Guten Rat, eben dieser gestiftet.

 

Die sehr qualitätsvolle mittelalterliche Goldschmiedearbeit war aufgrund ihrer Fragilität – auf einem Holzkern sind sehr dünne ziselierte Silberbleche aufgenagelt – mehrfach gebrochen und gerissen. Ganze Partien der seitlichen Kreuzbalkenverkleidungen fehlten. Alle Kugeln, bis auf zwei, waren später ergänzte massive Messingkugeln aus dem Möbelbeschlagbereich. Das Werkstück besaß eine unschöne, größtenteils beschädigte galvanische Glanzvergoldung.

 

Nach Abnahme sämtlicher Beschlagteile wurde der Holzkern gefestigt und gesichert. Alle Risse und Bruchstellen wurden hart mit Silber gelötet. Die fehlenden Beschlagteile der Seitenverkleidungen wurden stilecht in Silber ziseliert ergänzt. Die unsachgemäßen Messingkugeln wurden durch handgefertigte Silberkugeln ersetzt. Das Werkstück wurde gemäß dem unter der galvanischen Vergoldung liegenden Originalbefund neu feuervergoldet und handpoliert.

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Restaurierung von Goldschmiedekunst

Die Bewahrung unwiederbringlicher Werte

Die Erhaltung von historischen Kunstwerken ist eine der vornehmsten kulturellen Aufgaben einer Gesellschaft – Eigentum verpflichtet.

 

In nahezu allen historischen Kulturen entstanden Metallobjekte von höchster Kunstfertigkeit deren Erhalt und Pflege besondere Fähigkeiten verlangt. Wir haben uns in den vergangene Jahrzehnten insbesondere auf die Restaurierung von Edelmetallobjekten, sowohl aus profaner, wie auch aus sakraler Provinienz spezialisiert.

 

Hierbei unterscheiden wir grundsätzlich zwischen einer Restaurierung für museale Zwecke, die der reinen Erhaltung und Konservierung dienen soll und der Restaurierung von noch im Gebrauch befindlichen Kunstgegenständen, die für die weitere Benutzung ertüchtigt werden müssen.

 

Dafür verwenden wir neben modernster Schweißtechnik, besonders die historischen Goldschmiedetechniken, die schon zu Zeiten der Entstehung der Artefakte Verwendung fanden. Hier insbesondere Feuervergoldung, Druckpolitur, Emailarbeiten und vieles mehr.

 

 

Limburger Staurothek

© Markus Engert 2018 – Alle Rechte vorbehalten

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Restaurierung & Denkmalpflege

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